{"id":2987,"date":"2022-02-09T12:58:29","date_gmt":"2022-02-09T11:58:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agvu.de\/?p=2987"},"modified":"2022-02-09T12:58:29","modified_gmt":"2022-02-09T11:58:29","slug":"einsatz-von-kunststoff-rezyklaten-bei-lebensmittelverpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/einsatz-von-kunststoff-rezyklaten-bei-lebensmittelverpackungen\/","title":{"rendered":"Einsatz von Kunststoff-Rezyklaten bei Lebensmittelverpackungen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Verordnungsentwurf zu Kunststoffrecyclingmateralien im Kontakt mit Lebensmitteln (Abl\u00f6sung der bisherigen Verordnung Nr. 282\/2008) ordnet die EU-Kommission dem Rezyklateinsatz eine hohe Bedeutung zu. Die Beschleunigung und die Erweiterung des Rezyklateinsatzes in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt ist ein richtiges und dringend notwendiges Unterfangen und leistet einen Beitrag zur Umsetzung des Green Deals.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt (AGVU), die die Wertsch\u00f6pfungskette der Verpackung vom Rohstoff und der Verpackungsherstellung, \u00fcber die Konsumg\u00fcter und den Einzelhandel bis hin zum Recycling vertritt, begr\u00fc\u00dft die Novelle des europ\u00e4ischen Rechtsrahmens f\u00fcr den Rezyklateinsatz bei Lebensmittelkontakt. Die im Verordnungsentwurf vorgesehenen modularen Grunds\u00e4tze auf Basis einer einheitlichen Technologie-Risikobewertung werden beschleunigend wirken, da parallele Pr\u00fcfungen auf verschiedenen Ebenen m\u00f6glich werden. Gleichzeitig ist jedoch auch auf die F\u00f6rderung des Rezylateinsatzes im Umfang zu achten und sind Einsatzhemmnisse zu minimieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund weist die AGVU auf notwendige Klarstellungen und Anpassungen in folgenden Punkten hin:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Verordnungsentwurf unterscheidet sich erheblich von der abzul\u00f6senden Verordnung 282\/2008 und wird beachtliche Auswirkungen auf die Verf\u00fcgbarkeit und den Preis von Kunststoffrezyklaten haben. Der Aufwand von Unternehmen, die Rezyklate herstellen oder solche einsetzen, wird sich deutlich erh\u00f6hen. Eine vollst\u00e4ndige Folgenabsch\u00e4tzung zum Verordnungsentwurf ist daher geboten. Der bisherige, kurze Stellungnahmezeitraum, zudem \u00fcber die Weihnachtsfeiertage gelegen, ist den notwendigen Ma\u00dfst\u00e4ben von Transparenz und Stakeholder-Dialog in der Gesetzgebung nicht gerecht geworden.&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kunststoff-Rezyklate werden im Verordnungsentwurfs als potenziell gesundheitsgef\u00e4hrdende Materialien eingeordnet. Dies ist insbesondere bei recyceltem PET (rPET), das aus dem heutigen Getr\u00e4nkepfandsystem entstammt und seit vielen Jahren nachweislich ohne Gesundheitsgef\u00e4hrdung in Getr\u00e4nkeflaschen eingesetzt wird, nicht nachvollziehbar. Um die erfolgreiche Praxis bei rPET nicht zu gef\u00e4hrden und R\u00fcckschritte im Einsatzfeld Getr\u00e4nkeflaschen zu vermeiden, sollte von einer generellen Einordnung von Rezyklaten als potenziell gesundheitsgef\u00e4hrdend Abstand genommen werden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Verordnungsentwurf muss mit den abfallrechtlichen Vorgaben der EU, insbesondere der Abfallrahmenrichtlinie (2008\/98\/EG) und der Richtlinie \u00fcber Verpackungen und Verpackungsabf\u00e4lle (94\/62\/EG), konform sein. Die dort verankerten Ziele zur Steigerung des Rezyklateinsatzes sollten im Verordnungsentwurf aufgegriffen und \u2013 wo es m\u00f6glich ist \u2013 durch pragmatische L\u00f6sungen beim Rezyklateinsatz mit Lebensmittelkontakt unterst\u00fctzt werden. Die verwendete Terminologie sollte sich zudem an den h\u00f6herrangigen Abfallregeln orientieren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Anforderungen zur Zulassung neuer Recyclingtechnologien m\u00fcssen eindeutiger und zugleich pragmatischer geregelt werden. So sind etwa die Pr\u00fcfungsebenen <em>Recyclingtechnologie<\/em>, <em>Recyclingverfahren<\/em> and <em>Recyclinganlage <\/em>deutlicher voneinander abzugrenzen. Es ist klarzustellen, dass nicht jede neue Recyclinganlage einer gesonderten Technologie-Zulassung bedarf, wenn das genutzten Verfahren bereits auf der Pr\u00fcfungsebene <em>Recyclingverfahren<\/em> durch die EU-Kommission genehmigt wurde.&nbsp;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kunststoffrezyklate werden in Lebensmittelverpackungen h\u00e4ufig hinter funktionellen Barrieren eingesetzt, die einen gef\u00e4hrdungsfreien Einsatz gew\u00e4hrleisten. Diese Materialien \u2013 ohne direkten Lebensmittelkontakt \u2013 m\u00fcssen von der Pflicht zum Durchlaufen eines eigenen Zulassungsprozesses als <em>novel technology<\/em> ausgenommen werden. Der Einsatz von Rezyklaten hinter funktionellen Barrieren ist gelebte Praxis und leistet einen Beitrag zur Schlie\u00dfung von Rohstoffkreisl\u00e4ufen bei Kunststoffen. Dieser sollte nicht unn\u00f6tig eingeschr\u00e4nkt werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Sammelquellen f\u00fcr Materialien, die als Input f\u00fcr die Herstellung von Kunststoffrezyklaten genutzt werden d\u00fcrfen, m\u00fcssen deutlicher abgegrenzt werden. So geht aus den Formulierungen in Art. 6 des Verordnungsentwurfes nicht eindeutig hervor, ob die in Paragraf 1 sowie in Paragraf 2 (b) genannten Kriterien kumulativ erf\u00fcllt sein m\u00fcssen. In jedem Fall ist deutlich klarzustellen, dass Materialien aus der Sammlung bepfandeter Getr\u00e4nkeverpackungen und zuk\u00fcnftig aus der Gelber-Sack \/ Gelbe-Tonne-Sammlung f\u00fcr die Rezyklatherstellung genutzt werden d\u00fcrfen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Definition von <em>closed loop recycling systems<\/em> in Annex 1 des Verordnungsentwurfes sollte breiter gefasst werden: Der bisherige Ansatz grenzt \u201eclosed loop\u201c bei Materialien ab, die ausschlie\u00dflich in der identischen Produktgruppe wiederverwendet werden. Die Herkunft der Materialien und weitere Aspekte sind durch die Recyclingsammelsysteme mittels einer <em>control chain<\/em> nachzuweisen. Kaum ein in Europa etabliertes Sammelsystem wird den definierten Anspr\u00fcchen gerecht werden k\u00f6nnen. Daraus kann eine Limitierung von Inputmaterial erwachsen, die nicht nur die Lebensmittelverpackungsindustrie vor Probleme stellt, sondern auch einen gut entwickelnden Sekund\u00e4rrohstoffmarkt sch\u00e4digt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wir begr\u00fc\u00dfen den f\u00fcr EFSA-Gutachten vorgesehenen maximalen Zeitrahmen von 6 Monaten mit m\u00f6glicher Verl\u00e4ngerung um weitere 6 Monate. Ein \u00e4hnlicher Zeitrahmen sollte f\u00fcr das Genehmigungsverfahren f\u00fcr die <em>Recyclingtechnologie<\/em> (Artikel 15) und <em>Recyclingverfahren<\/em> (Artikel 19) vorgeschlagen werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.agvu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/AGVU-Schreiben-zu-Verordnungsentwurf-Rezyklateinsatz-bei-Lebensmittelkontakt_Website-1.pdf\">Die komplette Stellungnahme k\u00f6nnen Sie hier downloaden. <\/a><a href=\"https:\/\/www.agvu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/AGVU-Schreiben-zu-Verordnungsentwurf-Rezyklateinsatz-bei-Lebensmittelkontakt_Website-1.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU-Kommission schl\u00e4gt eine schnellere Zulassung von Rezyklaten in Lebensmittelkontaktmaterialien vor. Das ist richtig, aber im Einzelnen braucht es mehr Pragmatismus, weniger B\u00fcrokratie und eine bessere Verzahnung des Gesundheitsschutzes mit den Zielen des Green Deal.<\/p>","protected":false},"author":8,"featured_media":2990,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_nectar_blocks_hide_post_title":false,"_nectar_blocks_transparent_header_effect":false,"_nectar_blocks_transparent_header_effect_color":"light","_nectar_blocks_header_animation":false,"_nectar_blocks_header_animation_delay":0,"_nectar_blocks_header_animation_effect":"fade","_nectar_blocks_page_css":"","_nectar_blocks_page_js":"","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"hilfskategorie":[35],"class_list":["post-2987","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stellungnahme","hilfskategorie-publikationen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2987"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2987"},{"taxonomy":"hilfskategorie","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.avu-online.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/hilfskategorie?post=2987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}